Das Dreifaltige Himmelszelt im Entschlüsselten I-Ging

 

Verfasser: Wilhelm Josef Giebel

Das oben genannte Buch stellt Struklturen des I-Ging dar, die bisher nicht bekannt waren. Die dargelegten Zusammenhänge, die jeder nachvollziehen kann, werden mit dem bisherigen I-Ging zusammenwachsen und die Deutung der Hexagramme verändern.Sie wird an Tiefe gewinnen.

Mein Buch zeigt auch, daß das I-Ging in viel stärkerem Maße im Spirituellen verankert ist, als bisher bekannt war.

Die folgenden Texte stellen eine Einführung in das oben genannte Buch dar, das bei Books on Demand GmbH, Norderstedt im März/April 2007 erschienen ist. Ich hielt das Beleg-Expemplar am 21. März 2007, am Tag der Frühlings-Tagundnachgleiche, in den Händen und habe es am nächsten Tag freigegeben. 

Richard Wilhelm begann mit seiner Übersetzung des I-Ging zur Frühlings-Tagundnachtgleiche vor fast 100 Jahren. Die Frühlings-Tagundnachtgleiche wurde als der günstigste Termin dafür angesehen.

Das Buch ist unten auf einem Photo abgebildet. Es kann u.a. bei Online shops wie www.bod.de, www.buch.de, www.libri.de, www.Shop Orakel.de, Thalia.at, Buchhandlung Hugendubel  sowie in allen Buchhandlungen bestellt werden. Der Preis ist 30 Euro. Die Anzahl der Seiten beträgt 364. Plus Klappentext ergibt dies 365, genau so viele wie die Anzahl der Tage im Jahr, für die das I-Ging (wie die Pyramide von Kukulcan in Chichen, Mexiko, mit der Anzahl ihrer Treppenstufen) eine Art Monument darstellt.

(Die Anzahl der Seiten war keineswegs geplant. Mit dem Erscheinen des Buches hatte ich schon einen Monat früher gerechnet. Es gibt noch weitere "ungeplante" Übereinstimmungen.)

In meinem Buch wird das I-Ging, das Altchinesische Weisheits- und Orakelbuch, das auch als Kalender genutzt wurde, nachvollziehbar entschlüsselt. (Für die Chinesen stellte nach M. Granet der Kalender das oberste Gesetz dar.) Der I-Ging Code ist geknackt. Ausgangspunkt ist die Zuordnung der 64 Hexagramme zu den 24 Solarperioden eines Jahres und damit zu den Jahreszeiten-Anfängen, Jahreszeiten-Ausklängen, Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden. Die Ergebnisse sind für die Deutung der Hexagramme wichtig. Die Deutung vereinfacht sich. Die Ergebnisse sind auch für die Zahlenmystik und Numerologie von Bedeutung. Wer mit dem I-Ging arbeitet, gleichgültig auf welche Weise, kommt nicht umhin, die in dem oben genannten Buch enthüllten Strukturen zu berücksichtigen. Sehr überraschend war für mich auch, daß die Trigramm-Verteilungen der Hexagramme der einzelnen Jahreszeiten-Abschnitte Sternbilder darstellen. Es ergeben sich neue Einblicke in die chinesische Astronomie.

Aus dem sogenannten Mawangdui  I-Ging, das um Jahrhunderte älter ist als das herkömmliche I-Ging, ist eindeutiger zu erkennen, daß das I-Ging ursprünglich als Kalender genutzt wurde. Siehe meinen Aufsatz am Schluß nach dem Titelbild des Buches!

Ein Kapitel über das Altchinesische Sternbild des Dreibeinigen Roten Raben steht zunächst hier im Vordergrund. Ich habe es vor allem deshalb ausgewählt, weil der Dreibeinige Rote Rabe eines der Sternbilder ist, das mit dem entsprechenden I-Ging Stern Diagramm auf verblüffende Weise übereinstimmt (Abbildungen 1 und 2 unten.) 

Desweiteren spielt dieses Sternbild aber auch unter den 12 Altchinesischen Sternbildern, welche die I-Ging Diagramme darstellen, eine besondere Rolle. Obwohl der Dreibeinige Rote Rabe ein altes Tier der Sonne und ein Emblem der Zhou-Dynastie war, die vom Ersten Kaiser abgelöst wurde, ist es in der Sternkarte der nachfolgenden Han-Dynastie um Christi Geburt nicht enthalten, sondern taucht erst Jahrhunderte später in einer Sternkarte der Tang-Dynastie wieder auf. Die Vermutung liegt nahe, daß es vom Ersten Kaiser der Fünf-Elementen-Lehre folgend aus den Sternkarten verbannt wurde. Damit könnte es etwas über den Zeitpunkt der Neuordnung des I-Ging verraten, wie sie auf uns überkommen ist.

Im übrigen spielt die Primzahlgruppe, wie sie von Peter Pliichta definiert wurde, im I-Ging eine große Rolle. Dies stellt sich heraus, wenn man die 64 Hexagramme bei Eins beginnend der Reihe nach den 64 Solarperioden von zweizweidrittel Jahren zuordnet. 24 Hexagramme stehen für die 24 Solarperioden eines Jahres. Über Plichta hinausgehend haben die alten Chinesen zwischen zwei Arten von Primzahlen unterschieden. Desweiteren haben sie die Paarbildung zwischen einem Hexagramm mit ungerader Ordnungszahl und dem darauf folgenden Hexagramm mit gerader Ordnungszahl berücksichtigt. Ansonsten stellt die Struktur des I-Ging eine Bestätigung der Einteilung der natürlichen Zahlen in drei Gruppen dar, wie Plichta sie vorgenommen hat.

Neu am 23.12.2010:

Beachten Sie bitte auch den Abschnitt weiter unten, der sich mit dem I-Ging Diagramm befasst, das die Form eines Bootes hat und ein Symbol für Gleichgewicht darstellt. Mit dieser Vorgabe ist es möglich, die wahre Bedeutung des Bootes auf der Himmelsscheibe von Nebra zu entschlüsseln.

Das Trigramm Donner ist im Sommerhalbjahr zwischen Frühlings- und Herbst-Tagundnachtgleiche oben in den Hexagrammen zu finden, im Winterhalbjahr aber unten in den Hexagrammen. Dies stimmt mit der mythologischen Vorstellung Altchinas überein, daß der Donner im Winterhalbjahr in der Erde schläft, im Monat der Frühlings-Tagundnachtgleiche aber zum Himmel emporsteigt.

         Das Trigramm Donner ist im "Winterhalbjahr" unten, im "Sommerhalbjahr" oben in den Hexagrammen zu finden, so wie dies aus der folgenden Abbildung hervorgeht:

   

                                  

Beispiele:
In Hexagramm 16) DIE BEGEISTERUNG hat das Trigramm Donner oben seinen Platz, in Hexagramm 24) DIE WIEDERKEHR unten. Den anderen Platz nimmt das Trigramm Erde ein, das aus drei Yin-Linien besteht.

(Der innere Kreis in der obigen Abbildung enthält die 24 Solarperioden des ersten Jahres (Hex. 1-24), der mittlere die 24 Solarperioden des zweiten Jahres (Hex. 25-48) und der dritte äußere die 18 Solarperioden des 3. unvollständigen Jahres (Hex. 49-64))

    Die Hexagramme der Jahreszeiten-Anfänge (jeweils zwei) sind von überwiegend positiver Vorbedeutung - der schöpferische Aspekt des Kosmos, die Hexagramme der Jahreszeiten-Ausklänge dagegen zur Hälfte von überwiegend negativer Vorbedeutung - die auflösenden Kräfte des Kosmos. Die Hexagramme der Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden stehen für den erhaltenden Aspekt der Schöpfung. Der folgende Dreifachstern der Harmonie, der von den Hexagrammen der Harmonie und großen Harmonie gebildet wird, wie sie in meinem Buch der Logik folgend definiert sind, stellt die Harmonie von Schöpfung, Erhaltung und Auflösung bildlich dar.

 Der Dreifachstern der Harmonie - Fingerabdruck der I- Ging Struktur:     

                                 

                                                       

 

Schöpfung   , Erhaltung    und Auflösung    sind in stetem Wechsel begriffen und bilden die Grundlage für die Wandlungen, wie sie das I-Ging beschreibt, das auch das Buch der Wandlungen genannt wird.

Der violette Stern symbolisiert die Auflösung und Annäherung an das unergründliche Dao, die eher durch "widriges" als durch "günstiges Schicksal" verursacht wird . Er betont neben der Senkrechten, der Verbindung zwischen Himmel und Erde, die Waagerechte, die für das Gleichgewicht der Kräfte und die Vollendung steht, die auch die Vervollkommenung beinhaltet Er symbolisiert die Harmonie der Auflösung; der gelbe Stern steht für die Harmonie der Erhaltung und der blaue Stern für die Harmonie der kreativen Kräfte der Schöpfung. Violett und blau sind hier die Farben des Himmels, gelb die Farbe der Erde. Der gelbe Stern betont die Trigramme Donner, Berg, See und Wind, Naturkräfte der Erde. Am meisten Harmonie und auch Reinheit ist seltsamerweise  in dem violetten Stern der Auflösung, den Hexagrammen der strengen Hand des Himmels enthalten, die gleichzeitig die "andere Seite der Gnade" darstellt. Welche Erfahrungen mögen dieser Aussage zugrunde liegen?

Sie sind anscheinend ähnlich wie diejenigen, die in dem Buch Hiob der Bibel beschrieben werden. Papst Benedikt XVI schreibt hierzu in seinem Buch "Jesus von Nazareth" (Herder 2007, S. 197):"... Um reif zu werden, um wirklich immer mehr von einer vordergründigen Frömmigkeit in ein tiefes Einssein mit Gottes Willen zu finden, braucht der Mensch die Prüfung. Wie der Saft der Traube vergären muß, um edler Wein zu werden, so braucht der Mensch Reinigungen und Verwandlungen, die ihm gefährlich sind, in denen er abstürzen kann, aber die doch die unerläßlichen Wege sind, um zu sich selbst und zu Gott zu kommen. Liebe ist immer ein Prozeß der Reinigungen, des Verzichts, schmerzvoller Umwandlungen unserer selbst und so der Weg der Reifung. ..."

Ein Symbol für die Möglichkeit des Abstürzens ist Hex. 29) Wasser/ Wasser: "Das Abgründige", das auch auch das Hineinstürzen bedeutet. Zusammen mit Hex. 30) Feuer/Feuer: "Das Ausstrahlen" führt es die die Hexagramme der strengen Hand des Himmels an. (Beide Hexagramme sind Doppelzeichen.) Wer den Weg der "schmerzvollen Umwandlungen" geht, kann "Erleuchtung" erlangen, wie sie Hexagramm 30 darstellt. Die Essenz der Erleuchtung ist aber nichts anderes als "ein tiefes Einssein mit Gottes Willen", das auch als ein Verschmelzen mit dem unergründlichen Dao aufgefaßt werden kann, aus dem alles hervorgeht und zu dem alles zurückkehrt.

Aus der Aufdeckung der Struktur des I-Ging ergibt sich eine Vielzahl weiterer Zusammenhänge, die bei einer Deutung der Hexagramme nicht vernachlässigt werden können. Wer mit dem I-Ging arbeitet, sollte deshalb diese bislang unbekannten Zusammenhänge kennen. U.a. ist ein Hexagramm der kreativen Kräfte des Kosmos - die schenkende Hand des Himmels - anders zu deuten als ein Hexagramm der auflösenden Kräfte - die strenge Hand des Himmels. Ob ein Hexagramm der schenkenden oder der strengen Hand des Himmels angehört oder die erhaltenden Kräfte des Kosmos vertritt, ist aus der Beschreibung und den Bildern der Hexagramme nur in einem Teil der Fälle unmittelbar zu erkennen.

Nach Dominque Hertzer lassen sich drei verschiedene Ebenen der Wahrsagung unterscheiden:
„Die unterste Ebene kann allein durch Hinschauen wahrgenommen werden und bezieht sich ausschließlich auf die Symbolik der Tri- und Hexagramme. Die folgende Ebene ist dem Bereich der Zahlen zugeordnet, welche ... auch die Übertragung der Zahlen auf die kosmischen Phänomene umfaßt. ... Auf der obersten Ebene gilt es nun die Wirkkraft und Bedeutung der einzelnen Linie wie des gesamten Hexagramms zu verstehen und miteinander in Verbindung zu setzen; sie repräsentiert gewissermaßen die philosophische Ebene des I-Ging. ...“(Dominque Hertzer: „Das alte und das neue Yijing“, S. 197, Eugen Diederichs Verlag München 1996.)


Durch die Aufdeckung der Struktur des I-Ging in dem Buch „Das Dreifaltige Himmelszelt im Entschlüsselten I-Ging“ ist die unterste Ebene der Wahrsagung nicht betroffen, wohl aber die zweite und dritte.
Die Fragen nach der Zukunft erfahren hierdurch eine andere Antwort.

Folgende Hexagramme bestehen aus zwei gleichen Trigrammen und werden deshalb auch Doppelzeichen genannt:

Hex. 1) Himmel/Himmel: Das Schöpferische; Hex. 2) Erde/Erde: Das Empfangende

Hex. 29) Wasser/Wasser: Das Abgründige; Hex. 30) Feuer/Feuer: Das Ausstrahlen

Hex. 51) Donner/Donner: Das Erregende; Hex. 52) Berg/Berg: Das Stillehalten

Hex. 57) Wind/Wind: das Sanfte; Hex. 58) See/See: Das Heitere

Sie verdoppeln die Naturkräfte, welche sie darstellen und stehen deshalb in ihrer Hexagramm-Familie an erster Stelle. Warum nehmen sie die Plätze 1; 2; 29; 30; 51; 52; 57 und 58 ein? Niemand konnte diese Frage bisher beantworten. Die von mir enthüllte I-Ging Struktur weist ihnen die genannten Plätze zu. Andere kommen nicht infrage.               

Das Sternbild des Dreibeinigen Roten Raben zur Sommer-Sonnenwende, einmal als I-Ging Diagramm der Sommer-Sonnenwende und zum anderen als Sternbild nach der Dunhuang Sternkarte

Das I-Ging Stern-Diagramm der Sommer-Sonnenwende entspricht dem Dreibeinigen Roten Raben san zu wu in der Dunhuang Sternkarte aus der Tang-Zeit.  (Sechs Sterne aus dem westlichen Sternbild Rabe)

Mir erschien im Traum

zur Sommer-Sonnenwende

ein Roter Rabe.

„Dies bin ich“, sagte er noch,

„hier (Abb. 1) und auch dort (Abb. 2)“ und nickte.

Das I-Ging Stern-Diagramm der Sommer-Sonnenwende entspricht von der Form her einem Sternbild in „Vogelgestalt“ aus der Dunhuang Sternkarte, die aus der Tang-Dynastie stammt. Sogar die Anzahl der Sterne – es sind sechs - stimmt überein. In den vorhandenen älteren Sternkarten ist er allerdings nicht zu finden, obwohl er ein altes Tier der Sonne ist.

Zur Sommer-Sonnenwende hatte ich schon einen Roten Vogel oder einen Köperteil davon erwartet. Aber ich hatte mehr an den Roten Phönix gedacht. Dieser ist das mythische Tier des Sommer und des Südens. Auf das Bild des Roten Vogels sind die sieben Mondstationen des Südens bezogen.

Das I-Ging Stern Diagramm ist nun allem Anschein nach der Dreibeinige Rote Rabe, der schon auf den ältesten erhaltenen Steinreliefs als Tier und Wandlungsform der Sonne zu finden ist.                                  

                              

Abb. 1: I-Ging Stern Diagr. des Dreibeinigen Roten Raben zur Sommer-Sonnenwende:  6.6.-6.7.                                                               (Verteilung der Trigramme der Hexagramme der beiden Solarperioden der Sommer-Sonnenwenden der zweizweidrittel Jahre, welche die 64 Hexagramme des I-Ging darstellen, im Kreis des frühen Himmels. Insgesamt 6 Trigramme von drei Sommer-Sonnenwenden.)   

                           

Abb. 2: Altchinesisches Sternbild nach der Dunhuang Sternkarte 

Dunhuang Sternkarte, bezeichnet nach einem Ort an Seidenstraße, wo sie 1907 von M. A. Stein entdeckt und ins Britische Museum in London gebracht wurde. Es wird angenommen, daß sie aus der Tang-Dynastie (618-907) stammt. Quelle: Britisches Museum http://www.imagesonline.bl.uk/ britishlibrary/controller/textsearch?text=dunhuang&start=21 &stardid=...13.06.2006 (Das Sternbild des Dreibeinigen Roten Raben wurde abgezeichnet.)

Dreibeinig könnte der Rabe sein, weil die Zahl zwei möglicherweise als unpassend für die Sonne, die Yang ist, angesehen wurde und deshalb durch die ungerade Zahl Drei ersetzt wurde. Zwei ist als gerade Zahl Yin, drei als ungerade Zahl Yang.

Der Rote Rabe war auch das symbolische Tier der Zhou-Dynastie (1050 256 v. Chr.), weil sich die Zhou mit der Sonne identifizierten. Dies könnte der Grund dafür sein, daß der Dreibeinige Rote Rabe in den Sternkarten der Han-Zeit nicht zu finden ist. Er könnt vom Ersten Kaiser Shi Huangdi, der die Zhou Dynastie ablöste, durch ein anderes Sternbild ersetzt worden sein.

Das I-Ging Stern-Diagramm der Sommer-Sonnenwende hat von der Form her auch Ähnlichkeit mit dem westl. Sternbild Bootes, dem Hüter des Großen Bären. Die Sterne dieses westlichen Sternbildes waren im Alten China jedoch anders aufgeteilt.

Die altchinesische Sternkonstellation, die mit dem I-Ging Stern-Diagramm der Sommer-Sonnenwende übereinstimmt, ist in der Dunhuang Sternkarte unmittelbar vor dem Sternbild Yi, den Flügeln des Roten Vogels, zu finden. In der von Sun Xiaochun u. Jacob Kistemaker für die Han-Zeit konstruierten Sternkarte stellt das dort vorhandene Sternbild jedoch keine Vogelgestalt dar, sondern die Rückseite eines alten Wagens. Die Autoren nennen es Zhen (westl. Sternbild Rabe) und schreiben hierzu:

„… Wir möchten erwähnen, daß an dieser Stelle am Sumerischen Sternenhimmel eine Krähe, UGA genannt, zu finden ist, die wahrscheinlich mit der dreibeinigen Krähe san zu wu identisch ist, welche in der chinesischen Mythologie die Sonne repräsentiert. UGA ist das westliche Sternbild Rabe ...“

In der Geschichte der Jin-Dynastie, die von 265 bis 420 nach Chr. bestand, wird das Sternbild Zhen (vor den Flügeln des Roten Phönix) als Platz des Todes angesehen, das mit einem Mausoleum auf der anderen Seite des Sternenhimmels in Verbindung steht.

(Sun Xiaochun, Jacob Kistemaker: The Chinese Sky During the Han. Constellation Stars and Society, Leiden: Brill, 1997, (Die verwendeten Sternbilder wurden abgezeichnet.)

Die Gestalt des westlichen Sternbildes Rabe gleicht dem I-Ging Stern-Diagramm der Sommer-Sonnenwende, das meines Erachtens den Dreibeinigen Roten Raben darstellt.

Bei den Sumerern war UGA eine der Riesenraben, die von der drachengestaltigen Chaosmacht Tiamat oder von der Wasserschlange ernährt werden. Er steht auf deren Rücken.

Das Sternbild Zhen aus der Han-Zeit ist eine Mondstation des Roten Vogels und damit auch der Dreibeinige Rote Rabe. Sie nehmen beide den gleichen Platz vor Yi, den Flügeln des Roten Phönix, ein. Das westliche Sternbild Wasserschlange liefert die übrigen sechs Mondstationen des Roten Vogels, für die jedoch keine I-Ging Sternbilder vorhanden sind.

Aus Tabelle 1 gehen die Auf- und Untergangs- sowie Kulminationszeiten von zwei Hauptsternen im Sternbild Rabe in Xian am 21. Juni 200 v. Chr. hervor:

Tab. 1

Stern in Rabe: Aufgang, Kulmination, Untergang

Algorab:         11.52 Uhr   17.39         23.26

Minkar:          11.52         17.21         22.51

Sonne:            5.27                         19.55

Aus dem Vergleich der Untergangszeiten der beiden Sterne mit der Zeit, zu der die Sonne unter den Horizont sank, sieht man, daß das Sternbild im Monat der Sommer-Sonnenwende in den Abendstunden nach Sonnenuntergang für einige Stunden zu beobachten war. Es hatte seinen Kulminationspunkt überschritten und war in südwestlicher Richtung im Abstieg begriffen, ähnlich wie die Sonne nach der Sommer-Sonnenwende wieder abzusteigen beginnt.

Die Auf- und Untergangs- sowie die Kulminationszeiten der beiden Sterne vom 21.06.2005 in Xian, also 2000 Jahre später, sind in Tabelle 2 angegeben. Die beiden Sterne sind heute etwa eine Stunde länger am Nachthimmel zu beobachten:

Tabelle 2

21.06.2005, Xian im Schwemmland des Wei-Flusses

Algorab:             14.03      19.16           00.32

Minkar:              14.03      18.56           23.49

Sonne:                 5.30                        20.00

Zur Sommer-Sonnenwende ist die Sonne auf dem Höhepunkt ihrer Yang-Kraft. Die Vegetation explodiert. In dem I-Ging Stern-Diagramm der beiden Solarperioden vom 6.6 bis 6.7. erreicht Yang mit 26 Linien im Jahresverlauf denn auch seinen Höchstwert. Yin ist lediglich mit zehn Linien vertreten. Das Trigramm Himmel nimmt mit der Anzahl vier zum zweitenmal im Jahr seinen Höchstwert an. Der erste fällt auf den Frühlings-Anfang. Im Unterschied zum Frühlings-Anfang erreichen jetzt die Trigramme Wind und See mit der Anzahl drei ebenfalls ihre Höchstwerte. Das Trigramm Wind steht auch für Pflanzenwachstum und das Trigramm See für Freude und Heiterkeit.

Da Yang in diesem I-Ging Sternbild ebenso wie die Einstrahlung der Sonne ihr Maximum erreicht, entspricht das Diagramm auch von daher der Sonne auf dem Höhepunkt ihrer Einstrahlung und damit auch dem Tier der Sonne, dem Dreibeinigen Roten Raben.

Da die Trigramme Wind (Pflanzen) und See jetzt ihre Höchstwerte annehmen, betonen sie das Pflanzenwachstum sowie Heiterkeit und Freude und sind damit ebenfalls charakteristisch für die Sommer-Sonnenwende.

Der Rote Phönix, das mythische Tier des Sommers und Südens, gilt demgegenüber nicht als Tier der Sonne, wenn er auch ein Tier des Yang ist und den Süden darstellt. Chinesische Forscher halten es für möglich, daß der Phönix ursprünglich eine Gottheit des Windes gewesen ist, der während der Regierungszeit der Shang verehrt wurde, die der Zhou-Zeit vorausging. Der Gott des Windes galt als der Hauptbotschafter des obersten Gottes, da er ja wie der Wind überall hinkommt.

Das I-Ging Diagramm Nr. 8 stellt allem Anschein nach ein Boot dar, ein Boot, das auf die wahre Funktion des Bootes auf der Himmels-Scheibe von Nebra hinweist. 

                 

Das I-Ging Diagramm Nr. 8 der Herbst-Tagundnachtgleiche stellt von Form und Bedeutung her ein Boot dar. Mit seiner Symbolik lässt sich die Funktion des Bootes auf der Scheibe von Nebra entschlüsseln, so unwahrscheinlich dies auf den ersten Blick auch scheinen mag.

Das I-Ging Diagramm Nr. 8 des Zeitraums vom 7.9. bis 7.10 entspricht den Solarperioden 15) Weißer Nebel and 16) Herbst-Tagundnachtgleiche. Am 22./23. September ist die Herbst-Tagundnachtgleiche. An diesem Datum sind Tag und Nacht gleich lang und halten sich das Gleichgewicht. Das I-Ging Diagramm Nr.8 steht also für den Zeitraum, in den die Herbst-Tagundnachtgleiche fällt. Es wird gebildet von den Trigrammen der Hexagramme 15,16 (erstes Jahr); 39,40 (zweites Jahr) sowie 63,64 (drittes Jahr), welche diesen Zeitraum darstellen. Das I-Ging Diagramm Nr. 8 ist die Häufigkeitsverteilung der Trigramme dieser Hexagramme. In Die Trigramme Himmel, Wind und See sind nicht vorhanden, das Trigramm (fließendes) Wasser jedoch mit der Höchstzahl vier, die übrigen Trigramme je zweimal. Yin ist doppelt so häufig wie Yang. Das Übergewicht in der Anzahl des Trigramms Wasser sowie das Übergewicht von Yin passen zu einem Wasserfahrzeug.
Zu den Tagundnachtgleichen wurden u.a. die Waagen überprüft. Was zu viel war, sollte weggenommen und was zu wenig war, hinzugefügt werden. Zu Hex. 15, das zusammen mit Hex. 16 die Herbst-Tagundnachtgleiche im ersten Jahr darstellt, heißt es im Text zum Bild (im I-Ging):
“... So verringert der Edle, was zu viel ist und vermehrt, was zu wenig ist. Er wägt die Dinge und macht sie gleich.“
Auch der Mensch soll also bei sich einen solchen Ausgleich vornehmen und sein seelisches Gleichgewicht finden. Bei den beiden Hexagrammen 63 und 64, welche die Herbst-Tagundnachtgleiche im dritten Jahr darstellen, geht es um Vollendung. Die Arbeit an sich hat damit einen vorläufigen Höhepunkt bewirkt. Mit Hexagramm 64 endet das I-Ging.
Zum Zeitpunkt der Herbst-Tagundnachtgleiche ist die Ernte eingebracht. Viele alte Kulturen feiern die Herbst-Tagundnachtgleiche mit dem Thema der Balance.
Zu den Tagundnachtgleichen feiern nach altchinesischer Vorstellung auch die beiden grundlegenden Kräfte des Kosmos Yin und Yang Hochzeit. Als Licht und Dunkelheit halten sie sich an den beiden Terminen das Gleichgewicht.

Im I-Ging ist an insgesamt zwölf Textstellen das Motiv
„Das große Wasser durchqueren“ zu finden. Auch von daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass ein I-Ging Diagramm ein Boot darstellt. Das große Wasser könnte dem Flußlauf in bestimmten kleinen Tälern entsprechen, der dort eine Grenze zum Heiligen Bezirk am anderen Ufer darstellte. In dem Heiligen Bezirk am anderen Ufer fanden u.a. die Feste zu den Tagundnachtgleichen statt. Das große Wasser durchqueren bedeutete auch, in die Welt der Ahnengeister einzutreten, mit denen man sich im Heiligen Bezirk (oder im „Traum“) traf. Die an Schamanenkleidern zu findenden kleinen Boote und Ruder zeigen, daß Boote als Symbol für eine Reise in die normalerweise „verborgene Wirklichkeit“ galten.
Die Milchstraße war das große Wasser am Himmel.

Entspricht das I-Ging Diagramm der Herbst-Tagundnachtgleiche dem himmlischen Boot Tianchuan in der Milchstraße?

Die chinesische Astronomie hat eine lange Tradition. Die ältesten bekannten Sternbilder, nämlich Großer Wagen, Tiger und azurner Drache stammen aus der Zeit um 4000 v. Chr. Um 1000 v. Chr. wurde eine Sternkarte mit 44 Sternbildern angefertigt, zu denen 141 Sterne gehören. Das Sternbild Tianchuan, das ein Boot im damals so gesehenen „Fluss“ der Milchstraße darstellt, wurde von dem Astronomen Shi Shi überliefert, der im 4. Jahrhundert v. Chr. lebte. Wie lange das Sternbild schon vorher existiert hat, ist nicht bekannt. Tianchuan wird von einem Bogen aus neun Sternen gebildet, die dem westlichen Sternbild Perseus angehören.
Im 4. Jahrhundert vor Christus war das Boot Tianchuan nach Sonnenuntergang bereits am östlichen Himmel zu finden. Es kulminierte gegen zwei Uhr nachts (heute etwa zwei Stunden später) und ging etwa vier Stunden nach Sonnenaufgang unter. In der Zeit, zu der damals die nächtlichen Feiern zur Herbsttagundnachtgleiche stattfanden, war es also bei klarem Herbstwetter die ganze Nacht über am Himmel zu sehen.
Die Übereinstimmung zwischen dem I-Ging Diagramm der Herbst-Tagundnachtgleiche und dem Boot Tianchuan in der Milchstraße könnte bezüglich der Form kaum besser sein. Übereinstimmung besteht aber auch, wie im Vorhergehenden gezeigt, von der Bedeutung und dem Zeitpunkt des Erscheinens her. Es ist deshalb einigermaßen wahrscheinlich, dass das I-Ging Diagramm Nr. 8 das himmlische Boot Tianchuan in der Milchstraße darstellt, die damals als himmlischer Fluss gesehen wurde.

 

Die wahre Bedeutung des Bootes auf der Himmelsscheibe von Nebra!

41 Grad war der Abstand zwischen Sonnenauf- bzw. Sonnenuntergang zur Sonnenwende und Sonnenauf- bzw. Sonnenuntergang zur Tagundnachtgleiche in Nebra in der Bronzezeit. Die Spannweite von 41 Grad steht für die 91 Tage zwischen Sonnenwende und Tagundnachtgleiche. (Die 82,6 Grad großen Bögen an den Seiten entsprachen, wie die Archäologen festgestellt haben, den 182,5 Tage zwischen den Sonnenwenden. Das Schiff auf der Scheibe von Nebra wurde verwendet, um die Tagundnachtgleichen mit Hilfe einer der beiden Bögen an den Seiten und dem Brocken (im Harz) zu bestimmen. Die Löcher am Rand der Scheibe unterstützen die Messungen. Der durchschnittliche Abstand zwischen zwei Löchern beträgt 21 Tage. Um die Zeit der Tagundnachtgleiche so genau wie möglich zu bestimmen, waren Messungen Tage und Wochen im Voraus notwendig, jedes Mal, wenn bei klarem Wetter der Brocken zu sehen war. Das Ende einer der beiden seitlichen Bögen auf der horizontal liegenden Scheibe von Nebra (oder einem einfachen Duplikat) wurde auf den Brocken gerichtet. Die untergehende Sonne war in der Nähe eines der Löcher unter dem Schiff zu sehen. Die Entfernung zum Loch der Tagundnachtgleiche, zeigte, wie viele Tage die Tagundnachtgleiche entfernt lag. Vielleicht war sie ja auch schon überschritten. Den Zeitpunkt der Frühlings-Tagundnachtgleiche zu kennen, ist von großer Bedeutung für Menschen, die von der Landwirtschaft leben. Sie mussten wissen, wann es Zeit ist, den Samen in die Erde zu legen. Nur mit dem Boot ist die Himmelsscheibe von Nebra eine echte Bronzezeit Uhr, die den Frühling anzeigt.

Das Sternbild des Weißen Tigers
       a) I-Ging Stern-Diagramm               b) Altchinesisches Sternbild
       Herbst-Ausklang: 8.10.-6.11.                (Sterne aus Orion)

      

Das Sternbild Shen, das den weißen Tiger bai hu oder einen großen Jäger oder Krieger darstellt
(Im Spätherbst stieg der Tiger von den Bergen herab in die Ebene. Das, was man gewöhnlich als erstes von ihm zu sehen bekam, waren die Abdrücke seiner vier Tatzen)

Übersicht:

In meinem Buch werden bislang unbekannte Strukturen des I-Ging aufgedeckt, wie jeder leicht nachvollziehen kann. Ich habe die 64 Hexagramme der Reihe nach den 24 Solarperioden eines Jahres zugeordnet. Dies ergab sich aus Zusammenhängen zwischen Hexagrammen und Solarperioden. Die Hexagramme stellen insgesamt zweizweidrittel Jahre dar. Bei meiner Form der Zuordnung ist  das Trigramm Donner im Sommerhalbjahr zwischen Frühlings- und Herbst-Tagundnachtgleiche oben in den Hexagrammen zu finden, im Winterhalbjahr dagegen unten. Dies stimmt mit der mythologischen Vorstellung Altchinas überein, daß der Donner im Winterhalbjahr in der Erde schläft, zur Frühlings-Tagundnachtgleiche aber zum Himmel emporsteigt. Dies ist ein Beleg dafür, daß meine Zuordnung der Hexagramme zu den Solarperioden "richtig" ist und so auch von den Neuordnern des I-Ging vor grob 2000 Jahren so vorgenommen wurde. Weitere Belege sind die Hexagrammbilder der Frühlings- und Winter-Anfänge, Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen. Als stärksten Beleg für die Richtigkeit meiner Zuordnung der 64 Hexagramme zu den 24 Solarperioden aber sehe ich die 12 Sternbilder an, welche die Trigramm-Verteilungen der Hexagramme der einzelnen Jahreszeiten-Abschnitte ergeben. Einen weiteren Beweis stellt die Bedeutung der Hexagramme in den einzelnen Hexagramm-Gruppen dar, wie sie im folgenden skizziert ist. 

Wenn man die Hexagramme von jweils zwei Solarperioden zusammenfaßt, dann erhält man Hexagramme für die Jahreszeiten-Anfänge, Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden sowie die Jahreszeiten-Ausklänge. Die Hexagramme für die Jahreszeiten-Anfänge sind alle von vorwiegend positiver Vorbedeutung - die schöpferische Hand des Himmels -, die Hexagramme der Jahreszeiten-Ausklänge dagegen zur Hälfte von vorwiegend negativer Vorbedeutung - die auflösende Hand des Himmels. Die Hexagramme der Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden nehmen in Bezug auf die Vorbedeutung eine Mittelstellung ein. Sie entsprechen dem erhaltenden Aspekt der Schöpfung.

Die altchinesischen Sternbilder werden durch die Trigramme der Hexagramme der einzelnen Jahreszeiten-Abschnitte im Kreis des frühen Himmels dargestellt, wenn man die Hexagramme der Jahreszeiten-Abschnitte der zweizweidrittel Jahren zusammengefaßt.

Die Übereinstimmung zwischen den I-Ging Stern-Diagrammen und den altchinesíschen Sternbildern ist zum Teil außerordentlich genau, wie z.B. bei dem Dreibeinigen Roten Raben aus der Dunhuang Sternkarte zur Sommer-Sonnenwende oder dem Boot Tianchuan in der Milchstraße zur Herbst-Tagundnachtgleiche. Die Plätze der Hexagramme, die aus zwei gleichen Trigrammen bestehen, ergeben sich zwanglos. Frühlings-Anfänge und Sommer-Sonnenwenden sind durch vorwiegend zum Trigramm Himmel gerichtete Diagramme dargestellt, Winter-Anfänge und Winter-Sonnenwenden durch zum Trigramm Erde gerichtete Diagramme - Sommer und Wärme sind Yang, Winter und Kälte Yin. Frühlings- und Winter-Anfang schließen 9 Monate, nämlich die Vegetationsperiode, Sommer- und Winter-Sonnenwende 6 Monate, nämlich den Sonnenzyklus ein. Den Tagundnachtgleichen entsprechen vorzugsweise Waagerechten. (Darstellung der Hexagramme durch Verbindungsgeraden zwischen ihren Trigrammen im Kreis des frühen Himmels.) Siehe folgende Abbildung:                          

Frühlings- und Herbst-Tagundnachtgleichen in den zweizweidrittel Jahren, welche die 64 Hexagramme des I-Ging darstellen im Kreis des frühen Himmels             

                

Die Tagundnachtgleichen werden bevorzugt durch Hexagramme dargestellt, welche bei ihrere graphischen Darstellung im Kreis des frühen Himmels Waagerechten bilden. Von den sechs möglichen Waagerechten insgesamt entfallen vier auf die Tagundnachtgleichen. Eine Senkrechte gehört nicht dazu. Alle Senkrechten entfallen auf die Jahreszeiten-Ausklänge bzw. auflösenden Kräfte des Kosmos (Senkrechter Fall oder senkrechter Aufstieg und mitunter sogar beides!) Die Geraden der Hexagramme, welche die Sonnenwenden darstellen, haben vielfach das Trigramm Himmel bzw. Erde als Ziel, das Trigramm Himmel (Yang, Wärme) bei den Sommer- und das Trigramm Erde (Yin, Kälte) bei den Winter-Sonnenwenden. 

Zur Erneuerung der kosmischen Ordnung müssen Yin und Yang nach Auffassung der Gelehrten des Altertums zu jeder Tagundnachtgleiche Hochzeit feiern. (Yin entspricht eine gebrochene, Yang eine durchgehende Linie.)

Die acht Trigramme mit ihren Yin- und Yang-Linien in der Reihenfolge des frühen Himmels:

Es wird zwischen Hexagrammen des Himmels, der Erde und des Menschen und desweiteren auch zwischen Hexagrammen der Harmonie und Reinheit unterschieden. Letztere formen bedeutungsvolle Embleme, wie z.B. das Erd-Emblem:

                  

    Wie aus dem Emblem des I-Ging für Himmel und Erde die Zeit hervorgeht:

                  

  Die Summe der (eingezeichneten) Ordnungszahlen der Hex., welche dieses Emblem bilden, beträgt 274. Der Kehrwert dieser Zahl (1/274) ergibt eine Zahlenfolge, welcher der Anzahl der Tage im Jahr bis auf zwei Stellen hinter dem Komma entspricht. Die gleiche Zahlenfolge ergibt sich als Differenz zwischen Quadrat- und Kreisumfang, wenn der Kreisumfang 1 beträgt. Der materielle Kosmos und die Zeit wurden von vielen archaischen Kulturen gleichgesetzt.
(Das Emblem wird von den sechs Hexagramm-Paaren großer Reinheit gebildet.)

Unterschiede zwischen den Ordnungszahlen der Hexagramme

Die Ordnungszahlen der Hexagramme des Himmels gehören zur Primzahlgruppe, wie sie von Peter Plichta definiert wurde. Den Hexagrammen der schöpferischen Hand des Himmels sind dabei Ordnungszahlen der Primzahlgruppe der Form 6n + 1, den Hexagrammen der auflösenden Hand des Himmels Ordnungszahlen der Primzahlgruppe der Form 6n - 1 (n = natürliche Zahl) zugeordnet. Mit ihren Partnerinnen stellen erstere die Jahreszeiten-Anfänge, letztere die Jahreszeiten-Ausklänge dar. Im ersteren Fall schreitet die Schöpfung fort: zu einer Dreiergruppe mit dem Drang nach einem vierten Element tritt ein weiteres Element hinzu, im zweiten geht in der Dreiergruppe ein Element verloren. Es tritt Rückschritt ein. Der Ödipus-Fall. Ödipus ermordet seinen Vater und heiratet seine Mutter. Den Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden entsprechen die Hexagramme mit ungeraden Ordnungszahlen der Dreiergruppe, wie sie von Peter Plichta definiert wurde, sowie ihre Partnerinnen aus der Zweiergruppe, Hexagramme der Mutter Erde. Auf letztere entfallen die Termine der Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden. Sie haben hier quasi das Sagen. Die Termine der Jahreszeiten-Anfänge und Jahreszeiten-Ausklänge entfallen auf die ("männlichen") Hexagramme des Himmels.

 Das Diagramm im Kreis auf der Titelseite wird von den 11 "Reinen Hexagramm-Paaren des Himmels" gebildet und stellt das Abbild eines Heiligtums des Himmels dar. (Der Zahl 11 hatte im chinesischen Altertum einen hohen Rang inne. Reinheit wurde dem Himmel zugeordnet. Die Erde galt nicht als rein.)

Von den 32 Hexagramm-Paaren des I-Ging gibt es nur zwei, welche sowohl große Harmonie als auch großer Reinheit aufweisen. Sie stellen ein gleichschenkliges Kreuz dar, dessen Senkrechte die Verbindung zwischen Himmel und Erde symbolisiert, die positiv, aber auch negativ sein kann. Der waagerechte Balken im Kreuz steht für die Vollendung, die letztlich auch die Vervollkommenung des Menschen beinhaltet. Da es nur diese beiden Hexagramm-Paare sowohl großer Harmonie als auch großer Reinheit gibt, steht das Kreuz  im I-Ging im Vergleich zu allen anderen Emblemen und Symbolen an erster Stelle. Ein christliches Symbol wurde das Kreuz erst Jahrhunderte später.

               

 Beispiel für die Darstellung der Hexagramme 11 und 12 im Kreuz:

                           Hex. 11                   Hex. 12

                          

In Hexagramm 11 hat das Trigramm Himmel unten seinen Platz, das Trigramm Erde oben. Es wird im Kreuz oben durch die Verbindungsgerade zwischen Himmel und Erde dargestellt. Die Bezeichnung des Hexagramms ist in der oberen Hälfte der Abbildung zu finden. In Hexagramm 12 ist das Trigramm Himmel oben und das Trigramm Erde unten zu finden. Es wird ebenfalls durch die Verbindungsgerade zwischen Himmel und Erde dargestellt; doch diesmal ist die Bezeichnung des Hexagramms in der unteren Hälfte der Abbildung zu finden.  

    Es gibt nur diese beiden Hex.-Paare 11/12 und 63/64, deren Partner sowohl in großer Harmonie als auch in großer Reinheit miteinander verbunden sind.
Sie stellen wahrscheinlich die beiden bedeutendsten Hex.-Paare im I-Ging dar.

Das Hex.-Paar 11/12 gehört der Paargruppe Himmel/Mensch an,
der rechten strengen Hand des Himmels,
das Hex.-Paar 63/64 zur Paargruppe Mensch/Erde.
Die Verbindung zwischen Himmel und Erde aufrecht zu erhalten,
war vor allem Aufgabe des Herrschers,
Vollendung anzustreben, ist Aufgabe jedes Menschen,
spätestens in seinem dritten Lebensabschnitt.
Widrige Umstände, wie sie der rechten strengen Hand des Himmels
entsprechen, scheinen die Erreichung dieses Zieles zu begünstigen.   

Ein anderes Diagramm läßt sich als der Masterplan der Verbotenen Stadt in Peking deuten. Hier ergeben sich Beziehungen zu Feng shui, der Kunst der Geomantie.

Hexagramme der Harmonie und Reinheit:

Zu den Hexagrammen der Harmonie und Reinheit möchte ich gerne einige Anmerkungen machen. Bei Harmonie hat man keine allzu große Schwierigkeiten, sich darunter etwas vorzustellen. (Bei einem Hexagramm-Paar der Harmonie handelt sich um zwei Hexagramme, die jeden ihrer zweimal sechs Plätze sowohl mit einer Yin- als auch einer Yang-Linie besetzen sowie der gleichen "Paargruppe" angehören.) „Reinheit“ jedoch klingt viel stärker als „Harmonie“ esoterisch und abgehoben. Beide Begriffe, Harmonie und Reinheit, spielen aber in der chinesischen Kultur bis in die Neuzeit hinein eine gar nicht so unbedeutende Rolle. Das ist insbesondere daran zu erkennen, daß auf der Nord-Süd-Achse der Verbotenen Stadt in Peking Tore und Hallen der Mittleren und Höchsten Harmonie sowie Tore und Paläste der Himmlischen Reinheit liegen.

Reinheit war im Alten China ein Ideal des Daoismus und auch des Buddhismus. Ein Symbol dafür war der fleckenlose Spiegel, der nur spiegelt und nichts festhält. (Ein Hexagramm-Paar der Reinheit bilden zwei Hexagramme, die sich spiegeln, d.h., die sich aus den beiden gleichenTrigrammen in vertauschter Reihenfolge zusammensetzen und außerdem der gleichen "Paargruppe" angehören.) Der makellose Spiegel symbolisiert zunächst die Beruhigung des Gemüts und der Seele in der Meditation. Die Besänftigung des Gemüts während der Meditation konnte dann vielleicht ins Alltagsleben mit hinüber genommen werden. Tatsächlich verblassen in der Meditation die Dinge, die einen vorher noch maßlos aufgeregt haben. Man gewinnt Abstand und kann am Ende vielleicht sogar über diese Dinge lachen. Die Seele wird dabei auch mit einem See verglichen, den die Wellen aufwühlen. Bei Windstille beruhigt sich der See ebenso wie Gemüt und Seele während der Meditation. Wenn die Oberfläche des Sees glatt ist, spiegelt sie den Himmel. Im übertragenen Sinne gilt dies auch für die Seele. Der Himmel steht dabei für die Verbindung mit dem Dao und nicht zuletzt auch für Glück. Ich schließe mit einem Tanka:

Kein Blatt rührt sich und

der See spiegelt makellos

die weißen Wolken,

ohne auf sie zu zu geh’n

oder sie festzuhalten.

 

(Siehe auch meine Homepage: http://wilhelmjosefgiebels.info/

Diese zweite Homepage enthält neben gleichen zusätzliche Informationen.)

Das Mawangdui I-Ging - Hexagramme und Solarperioden

1. Alter des '''Mawangdui I-Ging''' im Vergleich zu dem des herkömmlichem I-Ging

Die herkömmliche Version des I-Ging ist die des sogenannten Textus receptus. Sie ist aus der Tang Dynastie (618-906) überliefert. Etwa 10 Prozent hiervon sind ebenfalls aus der Zeit um Christi Geburt auf uns gekommen. Diese letzteren Texte waren in Steintafeln gemeißelt, die bei kriegerischen Auseinandersetzungen zerstört wurden.
Die früheste überlieferte Version des I-Ging ist Jahrhunderte älter. Sie wurde 1973 in einem Grab entdeckt, das 168 v. Chr. geschlossen wurde, und ist unter dem Namen Mawangdui I-Ging bekannt.


2. Struktur des Mawangdui I-Ging im Vergleich zu der des Textus receptus

Wie unterscheidet sich die Struktur des Mawangdui I-Ging von der des herkömmlichen I-Ging, des Textus receptus:
Im herkömmlichen I-Ging geht jedes Hexagramm einer geraden Ordungszahl aus dem Hexagramm der vorhergehenden ungeraden Ordnungszahl hervor, indem sich seine Struktur umgekehrt und seine Bedeutung bis zur Gegenposition verändert. Diese oder auch eine andere Art der Paarbildung zwischen zwei aufeinanderfolgenden Hexagrammen ist im Mawangdui I-Ging nicht gegeben. Die Reihenfolge der Hexagramme ist außerdem von der des herkömmlichen I-Ging  verschieden. Die Hexagramme sind im Mawangdui I-Ging systematisch geordnet.
Bei den ersten 8 Hexagrammen nimmt das Trigramm Himmel den oberen Platz ein, bei den zweiten 8 Hexagrammen das Trigramm Berg. (Jedes Hexagramm besteht bekanntlich aus zwei Trigrammen; ein Trigramm aus drei Yin- bzw. Yang-Linien.) Insgesamt gibt es 8 solcher Gruppen entsprechend der Gesamtzahl von 64 Hexagrammen. In den Hexagrammen jeder Gruppe sind alle 8 Trigramme vertreten.
Jeweils ein Hexagramm, das aus zwei gleichen Trigrammen besteht – ein sogenanntes Doppelzeichen – führt eine Achtergruppe von Hexagrammen an, wobei das obere Trigramm innerhalb einer Gruppe das gleiche bleibt und das untere Trigramm nach einer bestimmten Abfolge wechselt, so wie das aus den folgenden Abbildungen der Trigramme und Hexagramme hervorgeht. Die Abfolge der unteren Trigramme bleibt in allen 8 Gruppen bestehen, ist aber von der der oberen Trigramme verschieden:

Die 8 Trigramme; ihre Reihenfolge oben in den Mawangdui-Hexagrammen: 

 

Die 8 Trigramme; ihre Reihenfolge unten in den Mawangdui-Hexagrammen:



Hexagramme im Mawangdui I-Ging; die erste Achtergruppe:




Die Ordnungszahlen über den Hexagrammen sind diejenigen des Mawangdui I-Ging, unter den Hexagrammen die des herkömmlichen I-Ging, desgleichen auch die angegebenen Namen. Die Hexagramm-Namen Song, Tongren und Gou stimmen in beiden I-Ging Versionen überein.
Das Hexagramm mit der Ordnungszahl 2 im Mawangdui I-Ging ist dasjenige mit der Ordnungszahl 12 im herkömmlichen I-Ging, das mit der Ordnungszahl 3 dasjenige mit der Ordnungszahl 33 usw. 
 

3. Texte des Mawangdui I-Ging im Vergleich zu denen des Textus receptus

Die Hexagramm-Texte des Mawangdui I-Ging verdienen Aufmerksamkeit. Sie sind in diesem Aufsatz hier auf die Ordnungszahlen der Hexagramme aus dem Textus receptus bezogen.
Nach Dominque Hertzer unterscheidet sich ungefähr ein Viertel des gesamten Textes des Mawangdui I-Ging von der überlieferten Version des Textus receptus. (Dominque Hertzer: „Das alte und das neue Yijing“, S. 185 Eugen Diederichs Verlag, München 1996. Der Textus receptus zeigt nach ihren Untersuchungen „eine höhere Abstraktionsebene, während das Mawangdui I-Ging einen konkreten Sachverhalt als Ausgangspunkt wählt.“ Dominque Hertzer: „Das alte und das neue Yijing“, S. 197.
Diese konkreten Sachverhalte sind vielfach Opfer zu bestimmten Terminen im Jahr, aber auch Sternbilder, Mondphasen und Begebenheiten, die als bedeutend angesehen wurden.

3.1 Hinweise auf Jahreszeiten im Mawangdui I-Ging

In Texten zu einzelnen Hexagrammen des Mawangdui I-Ging sind außerdem die Jahreszeiten und Solarperioden konkreter beschrieben als im Textus receptus.
Bevor hierfür Beispiele angegeben werden, sei folgendes vorausgeschickt:

Zuordnung der 64 Hexagramme zu den 24 Solarperioden eines Jahres, wie sie von mir vorgenommen wurde:
In Wilhelm Josef Giebel: „Das Dreifaltige Himmelszelt im Entschlüsselten I-Ging“,
Books on Demand GmbH, Norderstedt 2007, sind die 64 Hexagramme des I-Ging der Reihe nach den 24 Solarperioden eines Jahres zugeordnet, wie diese im Alten China in Gebrauch waren.
Die 64 Hexagramme stellen damit die Solarperioden von zweizweidrittel Jahren dar. Hexagramm 1 ist der Solarperiode 1 im ersten Jahr zugeordnet, Hexagramm 2 der Solarperiode 2, Hexagramm 24 schließlich der Solarperiode 24, Hexagramm 25 der Solarperiode 1 des zweiten Jahres usw.
Ausgehend von Übereinstimmungen einzelner Solarperioden mit bestimmten Hexagrammen wurde die skizzierte Zuordnung zunächst versuchsweise vorgenommen. Ihre Richtigkeit bestätigte sich dann auf vielfache Weise, so wie dies im folgenden kurz beschrieben ist:

- Das Trigramm Donner ist im Sommerhalbjahr immer oben und im Winterhalbjahr immer unten in den Hexagrammen zu finden.


- Die Sommer-Sonnenwenden und die Frühlings-Anfänge (der zweizweidrittel Jahre, welche die 64 Hexagramme darstellen) werden im Kreis des frühen Himmels bevorzugt durch zum Trigramm Himmel (Yang) gerichtete Geraden dargestellt, die Winter-Sonnenwenden und die Winter-Anfänge bevorzugt durch zum Trigramm Erde (Yin) gerichtete Geraden, die Tagundnachtgleichen, an denen sich Tag und die Waage halten, aber bevorzugt durch Waagerechten.


(Darstellung der Hexagramme durch Geraden zwischen den beiden Trigrammen, aus denen sie sich zusammensetzen, im Kreis des frühen Himmels; im Kreis des späten Himmels ergeben sich keine sinnvollen Figuren. Die Jahreszeiten-Anfänge, Jahreszeiten-Ausklänge, Tagundnachtgleichen werden durch jeweils ein Hexagramm-Paar dargestellt. Dementsprechend werden auch die Solarperioden zu Paaren zusammengefaßt. Das Solarperioden-Paar 1 und 2 stellt z.B. den Frühlings-Anfang dar, die Solarperioden 3 und 4 die Frühlings-Tagundnachtgleiche und die Solarperioden 5 und 6 den Frühlings-Ausklang.)


- Es ergeben sich weiterhin 12 Sternbilder, die mit den Jahreszeiten, von deren Hexagrammen, genauer Trigrammen, sie dargestellt werden, verknüpft sind, wie der Dreibeinige Rote Rabe mit der Sommer-Sonnenwende und das Boot Tianchuan in der Milchstraße mit der Herbst-Tagundnachtgleiche. I-Ging Stern-Diagramm und altchinesisches Sternbild stimmen in den meisten Fällen überein.


- Die Summe aus der Anzahl der Hexagramme mit dem Trigramm Himmel und der Anzahl der Hexagramme mit dem Trigramm Erde beträgt auf dem ersten Jahreskreis 20, auf dem zweiten 10 und auf dem dritten unvollständigen Jahreskreis Null. Die Summe aus der Anzahl der Hexagramme mit dem Trigramm Feuer und der Anzahl der Hexagramme mit dem Trigramm Wasser beträgt auf allen drei Jahreskreisen 10. Himmel, Erde, Feuer und Wasser gelten als die großen und kleinen Eltern der übrigen Trigramme.
Die Betonung der Zahl 10, wie sie hier mehrfach vorliegt, läßt sich u. a. damit erklären, daß, „... durch die Abfolge der ersten 10 Zahlen ... der Schöpfungsprozeß des Kosmos selbst versinnbildlicht wird.“ Dominque Hertzer: „Das alte und das neue Yijing“, S. 117.


- Die Hexagramm-Paare lassen sich in solche der schöpferischen (Jahreszeiten-Anfänge), erhaltenden (Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden) und auflösenden Kräfte (Jahreszeiten-Ausklänge) des Kosmos aufteilen. Die Hexagramme der Jahreszeiten-Anfänge sind alle von vorwiegend positiver Vorbedeutung, die Hexagramme der Jahreszeiten-Ausklänge aber zur Hälfte (10 von 20 Hexagrammen) von vorwiegend negativer Vorbedeutung. Die Hexagramme der Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden nehmen in Bezug auf die Vorbedeutung eine Mittelstellung ein.
Die Orakel-Entscheidungen sind im Mawangdui I-Ging fast immer die gleichen wie im Textus receptus. Dominque Hertzer: „Das Mawangdui Yijing“, S. 178, Eugen Diederichs Verlag München 1996. Die schöpferischen, erhaltenden und auflösenden Kräfte, welche den einzelnen Hexagrammen zugeordnet sind, sind also im Mawangdui I-Ging praktisch die gleichen wie im Textus receptus.

- Es ergeben sich noch eine Reihe weiterer Argumente dafür, daß die Zuordnung der 64 Hexagramme des I-Ging zu den 24 Solarperioden, wie sie von mir vorgenommen wurde, die gleiche ist, wie sie auch von den Neuordnern des I-Ging im Alten China durchgeführt wurde. 

3.2 Die Jahreszeiten im Mawangdui I-Ging und im Textus receptus

Die Hexagramme 12) Die Stockung, 36) Die Verfinsterung des Lichts und 60) Die Beschränkung werden in von mir der Solarperiode 12) Große Hitze zugeordnet. Dies ist der Zeitraum vom 23. Juli bis 7. August.
Im Textus receptus lautet der Text nach Richard Wilhelm zu Hexagramm 60) Die Beschränkung:
„Das Urteil: Beschränkung. Gelingen. Bittere Beschränkung darf man nicht beharrlich üben.“
Der entsprechende Mawangdui Text lautet:
„Zur Festzeit wird ein Opfer dargebracht, sind Bäume und Pflanzen zur Festzeit vertrocknet, kann man es nicht bestimmen (oder: beständig sein). Dominque Hertzer: „Das Mawangdui Yijing“, S. 128.

Der Mawangdui Text zu Hexagramm 60 beschreibt hier also konkreter die Solarperiode 12) Große Hitze als der Textus receptus.

Der Solarperiode 3, die vom 6. bis 20. März andauert, wurden von mir die
Hexagramme 3) Die Anfangsschwierigkeit, 27) Die Ernährung und 51) Das Erregende, die Erschütterung, der Donner zugeordnet.
Das Urteil zu Hexagramm 3 des Textus receptus lautet bei Richard Wilhelm:
„Das Urteil: Die Anfangsschwierigkeit wirkt erhabenes Gelingen ...“

Im Mawangdui I-Ging heißt es zu diesem Hexagramm, das dort die Nr. 23 hat:
„Bei Durchbruchsschwierigkeiten ist ein großes Opfer darzubringen von vorteilhafter Bestimmung. ...“ Es handelt sich dabei, wie Dominique Hertzer erläutert, ursprünglich um die „Durchbruchsschwierigkeiten einer jungen Pflanze oder eines jungen Baumes, wie sie zu Beginn ihrer Wachstumsphase, also um Frühlingsbeginn – bei dem Durchbruch durch die Erde entstehen.“ Dominque Hertzer: „Das Mawangdui Yijing“, S. 137.
Zu Hexagramm 51) Das Erregende, Das Erschüttern, der Donner,.
das nach 4 ebenfalls der Solarperiode 3 im März zugeordnet ist, lautet der entsprechende Text des Textus receptus bei Richard Wilhelm:
„Das Urteil: Das Erschüttern bringt Gelingen. Das Erschüttern kommt: Hu, Hu! lachende Worte: Ha, Ha! Das Erschüttern erschreckt 100 Meilen, und er läßt nicht Opferlöffel und Kelch fallen.“
Im Mawangdui I-Ging aber lautet der Text zu diesem Hexagramm:
„Zum Frühlingserwachen bringt man ein Opfer dar. Der Frühlingsbeginn kommt bei Neumond, ( ) spricht man „ya-ya“, der Frühlingsbeginn wird überall verehrt, man vergißt nicht den goldenen Opferlöffel und das Opferfleisch.“ Dominque Hertzer: „Das Mawangdui Yijing“, S. 147.

Aus dem Bereich der Natur wird diesem Hexagramm nach Hertzer das Bild des Donners und des Gewitters zugeordnet.
Im Text zur zweiten Linie dieses Hexagramms ist auch von einem Gewitter die Rede.
Nach der mythologischen Vorstellung Altchinas stieg der Donner zur Frühlings-Tagundnachtgleiche zum Himmel empor, nachdem er den Winter in der Erde verbracht hatte.
Die Solarperiode 3 endet einen Tag vor der Frühlings-Tagundnachtgleiche.

Die Beziehungen zwischen den Hexagrammen 3 und 51 und der von mir zugeordneten Solarperiode 3 im März sind nach dem Mawangdui I-Ging eindeutiger als nach dem Textus receptus.

Hexagramm 29) Das Abgründige, das Wasser wurde von mir der Solarperiode 5 (5.-19. April zugeordnet. Im Mawangdui I-Ging ist in dem Text zu diesem Hexagramm (hier Hexagramm 17) von dem Herz einer Schwalbe als Opfer die Rede. Das Verhalten der Schwalben wurde aber mit den Tagundnachtgleichen in Verbindung gebracht. Zur Herbst-Tagundnachtgleiche ziehen sie sich nach mythologischer Vorstellung in ihre Verstecke im Meer zurück, zur Frühlings-Tagundnachtgleiche aber kehren sie zurück. (Die Bauern-Kalender wußten allerdings, daß sie nur hin- und herfliegen.)
Das Opfer eines Schwalbenherzens war also nur zu oder nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche bis zum Herbst möglich. Die erste Aprilhälfte scheint hierfür kein schlechter Zeitpunkt.

Hexagramm 16 wurde von mir der Solarperiode 16) Herbst-Tagundnachtgleiche, zugeordnet.
Im Mawangdui I-Ging ist im Text zu diesem Hexagramm von Überfluß die Rede, der von Hertzer mit vollen Getreidekammern in Verbindung gebracht wird, die sich aus der Verbindung der beiden Trigramme Donner (mit Regen) über der Erde ergeben. Dominque Hertzer: „Das Mawangdui Yijing“, S. 156.

Im Herbst wird die Ernte eingebracht.

Die Solarperiode 14) Hitze endet, wurde von mir u.a. Hexagramm 14, dem weiblichen Partner von Hexagramm 13 zugeordnet, das mit der Solarperiode 13) Herbst-Anfang verknüpft ist.
Im Textus receptus heißt es bei Wilhelm zu Hexagramm 14:
„Das Urteil: Der Besitz von Großem: Erhabenes Gelingen.“

Der Mawangdui Text zu diesem Hexagramm lautet:
„Der große Besitz (oder eine reichhaltige Ernte), man bringt ein großes Opfer dar.“
Auch hier verrät der Mawangdui-Text, in welcher Jahreszeit Hexagramm 14 am ehesten angesiedelt ist. Dominque Hertzer: „Das Mawangdui Yijing“, S. 263.

Es gibt noch weitere Hexagramm Texte nach dem Mawangdui I-Ging mit Hinweisen darauf, welcher Jahreszeit sie am ehesten entsprechen, - Hinweise, die im Textus receptus fehlen.
Die genannten Zusammenhänge zwischen Hexagrammen und Solarperioden bestätigen einmal, daß das I-Ging ursprünglich ein Kalender von großer Bedeutung war, zum anderen vermehren sie die Belege dafür, daß die Zuordnung der Hexagramme zu den Solarperioden, wie sie von mir vorgenommen wurde, die gleiche ist, wie sie auch dem I-Ging zugrunde liegt.

3.3 Schlußfolgerungen

Nach Hertzer lassen sich drei verschiedene Ebenen der Wahrsagung unterscheiden:
„Die unterste Ebene kann allein durch Hinschauen wahrgenommen werden und bezieht sich ausschließlich auf die Symbolik der Tri- und Hexagramme. Die folgende Ebene ist dem Bereich der Zahlen zugeordnet, welche ... auch die Übertragung der Zahlen auf die kosmischen Phänomene umfaßt. ... Auf der obersten Ebene gilt es nun die Wirkkraft und Bedeutung der einzelnen Linie wie des gesamten Hexagramms zu verstehen und miteinander in Verbindung zu setzen; sie repräsentiert gewissermaßen die philosophische Ebene des I-Ging. ...“ Dominque Hertzer: „Das alte und das neue Yijing“, S. 197.

Durch die Aufdeckung der Struktur des I-Ging in meinem Buch "Das Dreifaltige Himmelszelt im Entschlüsselten I-Ging" ist die unterste Ebene der Wahrsagung nicht betroffen, wohl aber die zweite und dritte.
Die Fragen nach der Zukunft und nach der Vorgehensweise bei der Lösung eines Problems erfahren hierdurch eine andere Antwort.. 


Zusammenfassung:

In dem letzten Aufsatz werden das Jahrhunderte ältere Mawangdui I-Ging und das herkömmliche I-Ging, auch als Textus receptus bezeichnet, in Bezug auf Alter, Struktur und Text miteinander verglichen. Im Mawangdui I-Ging werden die Jahreszeiten stärker betont und damit auch der Charakter des I-Ging als Kalender.

I

Impressum:
Wilhelm Josef Giebel
Neckarstraße 15
45219 Essen
Tel.: 02054/6506
E Mail: wilhelmjgiebel@arcor.de


Auf der Himmelsscheibe von Nebra gab es zwei Bögen, die einander gegenüber liegen, von je 82,7 Grad - der Abstand zwischen dem nördlichsten (Sommer-Sonnenwende) und südlichsten-Punkt (Winter-Sonnenwende) von Sonnenuntergang und Sonnenaufgang in Sachsen-Anhalt zur Bronzezeit. Mit der Scheibe in einer horizontalen Ebene, konnten die Bögen dazu verwendet werden, um die Position des Sonnenauf-und Sonnenuntergang in Bezug auf den Brocken (im Harz) zu untersuchen. Auf dem Mittelberg - wo die Scheibe gefunden wurde - geht die Sonne zur Sommersonnenwende (21. Juni) hinter dem in nordwestlicher Richtung 85 km entfernt liegenden Brocken unter. Der kürzere unten liegende Bogen wird entsprechend den damaligen Vorstellungen als Boot für die Fahrt der Sonne zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang interpretiert. Archäologen nehmen an, dass das Schiff das Symbol einer neuen religiösen Idee ohne praktische Relevanz für die Astronomie war. Die Scheibe soll am Ende nur noch als Kultobjekt gedient haben.
Der Autor glaubt, dass dies falsch ist. Es lässt sich leicht zeigen, zu welchem Zweck das Boot tatsächlich verwendet wurde.
Ein Boot ist ein Fahrzeug, das im Gleichgewicht mit dem Wasser ist. Sonst kentert es und kann sogar sinken. Zur Tagundnachtgleiche sind Tag und Nacht gleich lang und somit im Gleichgewicht. Ein Boot, dessen Funktionieren von seinem Gleichgewicht abhängt, ist das Symbol für Gleichgewicht und stellt deshalb auch die Tagundnachtgleiche symbolisch dar. Das Boot auf der Himmels-Scheibe von Nebra steht deshalb eventuell für die Tag-und Nachtgleiche, wäre dann gewissermaßen ein Symbol für die Sonne an zwei Tagen im Jahr. Wenn das Boot auf der Himmelsscheibe wirklich als Symbol für die Tagundnachtgleiche gedacht war, dann sollte dies aus einer entsprechenden Maßzahl auf der Himmels-Scheibe auch hervorgehen. Und tatsächlich ist dies auch der Fall. Eine solche Maßzahl ist sogar zweimal vorhanden. Die Scheibe zeigt einen Winkel von 41 Grad zwischen den Enden eines jeden der beiden Bögen an der Seite und dem ersten Punkt oder Loch auf jeder Seite des Bootes, die in Kontakt mit dem Boden des Bootes sind. Insgesamt sind drei Löcher in Kontakt mit dem Boden des Bootes. Um die beiden äußeren geht es hier. (Es gibt insgesamt 39 oder 40 Punkte auf dem Rand der Scheibe)